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Michael Zargus (*13. Juli 1970 bei Суховская (Suchowskaja) als Михаил Заргус)  ist ein deutscher Architekt, Autor und Künstler, dessen Werk internationale Verbreitung und Anerkennung findet.

 

Geboren wurde Michael Zargus an Bord der Transsibirischen Eisenbahn kurz vor dem Haltepunkt Suchowskaja als Sohn des Putzmachers Манфред Заргус und der Schlafwagenschaffnerin Karin Müller. Da den Eltern das Geld für ein Zusatzticket fehlte, wurde der Säugling am nächstgelegenen Haltepunkt ausgesetzt, wo er von einer ansässigen Katzenfamilie, die ihn anschließend liebevoll aufzog, vor dem sicheren Kältetod gerettet. Trotz der biologischen Verschiedenheit der Arten verlief seine Kindheit ruhig und behütet. In der Dorfschule fand Zargus schnell Anschluß und freundete sich mit Gisbert von Humboldt, einem Nachkommen von Alexander von Humboldt an, mit dem er schließlich den Plan fasste, Suchowskaja zu verlassen.

 

Da der Ort erst 1989 an das sibirische Straßennetz angeschlossen wurde, reisten die beiden per Katzenschlitten in die russisch-chinesische Grenzstadt Благове́щенск (Blagoweschtschensk), was zeitgleich als der erste weltweit dokumentierte Fall einer Reise mit diesem Verkehrsmittel gilt. Sechsundneunzig Katzen waren nötig, Reisende und Gepäck zu befördern, hierzu wurden nicht nur Zargus' Halbgeschwister und Cousins herangezogen, sondern auch Katzen aus den umliegenden Dörfern rekrutiert. Den Weg nach Shanghai, wo Zargus und von Humboldt eine Agentur zur Vermittlung von Saisonarbeitern in der plastischen Chirurgie eröffnen wollten, traten sie zu Fuß an, was sie fast an den Rand des Hungertodes brachte. 

 

Nach einer monatelangen Wanderung voller Entbehrungen und Strapazen trafen die beiden am 28. Juni 1981 in der Nähe der chinesischen Stadt Gaoquing am gelben Fluß auf Hua Guofeng. Dieser hatte fünf Jahre zuvor den Posten des Generalsekretärs der chinesischen kommunistischen Partei von Mao Zedong übernommen und verbrachte bei Gaoquing seinen alljährlichen Angelurlaub, um Abstand von den Staatsgeschäften zu nehmen. Guofeng versorgte die beiden mit Nahrung und warmer Drillichkleidung, gemeinsam berieten sie über die Pläne zur Weiterreise. Vom Plan, Shanghai zu erreichen, waren Zargus und von Humboldt mittlerweile abgerückt, um ihr Glück in Europa zu suchen, auch hier konnte Guofeng unterstützend einwirken. Er überließ den Reisenden ein im gelben Fluß vor Anker liegendes U-Boot der Han-Klasse der chinesischen Volksmarine, welches aufgrund von Außerdienststellung zunächst als pädagogisches Erlebnisschiff im Rahmen der Kinderlandverschickung vorgesehen, aber voll einsatztauglich war. In diese Zeit fallen auch der Beginn von Zargus' lebenslanger Freundschaft zu dem französischen Tiefseeforscher Jacques Cousteau sowie die Drucklegung seines Standardwerkes „Es gibt keine Katzen auf dem Meeresgrund“ (Editions Hatier, Paris 1982).

 

Die folgende mehrwöchige Reise führte Zargus und von Humboldt durch den indischen Ozean bis zum Suezkanal, den sie nach langwiergen Zollproblemen nur durch den persönlichen Einsatz des israelischen Generals und Politikers Mosche Dayan passieren konnten. So erreichten sie im Herbst des Jahres 1981 das Mittelmeer und gingen am 08. November im italienischen Bari an Land, wo sie zunächst das nicht mehr benötigte U-Boot an einen fahrenden Schrotthändler verkauften. Vom Reinerlös des Metallverkaufes gründeten die beiden ihr erstes und letztes gemeinsames Unternehmen, dessen Ziel es war, die italienische Küste zu überdachen, um eine Zerfaserung der Ufer durch die seit 1957 ständig anwachsende Anzahl von Sonnenschirmen zu stoppen. Am 05. Mai 1982 allerdings traf Gisbert von Humboldt bei der Suche nach Morgenlektüre auf die blinde Kioskbesitzerin Giulia Dolcetta, heiratete diese noch im selben Jahr und wandte sich von Zargus ab.

 

Zargus, bar jeder Verpflichtungen, aber gleichwohl vermögend, spendete einen Großteil seines Geldes an das örtliche Tierheim, um den dort lebenden Katzen, stellvertretend für jene, welche ihn in Sibirien aufgezogen hatten, zu danken. Mit seinem verbliebenen Geld löste er eine Zugfahrkarte ins bayrische Kufstein und verdingte sich dort als Zimmermannsgehilfe im Kirchbau, bevor ihn ein Baustelleneinsatz nach Hagen in Westfalen führte. Die Kälte und Tristesse der damaligen Großstadt erinnerten ihn an seine Kindheit in Sibirien, so daß Zargus im Jahre 1986 seinen Lebensmittelpunkt in die Gemeinde verlegte. Auf Vermittlung eines Freundes trat er 1988 mit der ehemaligen Landesministerin Dr. Liselotte Funcke in Kontakt und bezog die Mansarde ihrer Villa, von wo aus er in den folgenden Jahren zahlreiche Künstlerfreundschaften schloß. In Zargus' Umfeld befanden sich Persönlichkeiten wie der Hagener Maler Emil Schumacher, aber auch überregional bekannte Prominente wie Ai Weiwei (hier waren ihm seine in den frühen 80er Jahren angeeigneten kantonesischen Sprachkenntnisse von großem Nutzen), Günter Grass, Salvador Dalì, Bruce Wayne oder Anton Szandor LaVey. Mitte der neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts begann sich Zargus, ausschließlich dem Studium der Architektur zu widmen und erreichte im Jahre 1999 seinen Abschluß. Zargus lebt und arbeitet nach wie vor in Hagen, mittlerweile weitestgehend von sozialen Kontakten abgeschnitten.